Nikolaus Einhorn
-Integrale Studien-

DER ERDE EINE STIMME GEBEN - Im Angesicht der neuen Katastrophen

Ein tiefenökologischer / ökopsychologischer Lernprozess (Termine bitte erfragen)

Als Therapeut/innen tun wir gut daran, den umfassenden ökologischen, kulturellen und gesellschafts-politischen Kontext zu sehen, in dem die heutigen psychischen Leiden entstehen, und Wege zu erkun- den , diesen Kontext bei der therapeutischen Arbeit im Auge zu behalten, um zu adäquater schöpfer-ischer Anpassung zu gelangen.

Diese Fortbildungs-Seminare wenden sich an Kollegen und Kolleginnen, die an einer Zusammenführung von Psychologie und Ökologie und überhaupt an einer Erweiterung des Kontextes interessiert sind, in dem sich heute die psychotherapeutische Beziehung und der psychotherapeutische Prozess vollziehen.                                                              __________________________________________________________________________________________________

                  DER ERDE EINE STIMME GEBEN

-Im Angesicht der neuen Katastrophen - Ein tiefenökologischer / ökopsychologischer Lernprozess

Eine Fortbildung für GestalttherapeutInnen /PsychotherapeutInnen und alle, die sich für die psychologischen Grundlagen einer nachhaltigen Entwicklung interessieren

(*Der Begriff „Tiefe Ökologie“ wurde Anfang der 70iger Jahre von dem norwegischen Philosophen Arne Naess geprägt.)

„Die heutige Herausforderung ist die, den Planeten vor der weiteren Zerstörung zu bewahren, die sowohl das erleuchtete Selbst-Interesse von Menschen und Nicht-Menschen verletzt, wie auch die Möglichkeit des freudvollen Seins für alle verringert. Wir müssen gemeinschaftliche Therapien entwickeln, die unsere Beziehung mit der größten Gemeinschaft heilen – der aller Lebenden Wesen.“ (Arne Naess, Selbstverwirklichung – Ein ökologischer Zugang zum Sein in der Welt, 1986)

„Vielleicht ist da erst noch eine spirituelle Arbeit zu tun, bevor die Menschen zu einer schöpferischen Idee gelangen, genauso wie es nach einem Verlust notwendig ist zu trauern, ehe man ans Weiterleben denken kann... Die Notlage, in die wir uns gestürzt haben, verlangt von uns ein tiefes Trauern, ein gründliches Nachdenken und allen Einsatz, um sie wieder rückgängig zu machen. Es werden grundlegende Veränderungen stattfinden müssen. Was betrauert werden, worüber gründlich nachgedacht, was wieder gut gemacht werden muß, ist die Art und Weise, wie wir leben und wohin sie uns geführt hat. Im großen und ganzen sind wir nicht glücklich gewesen, und wir leben in Furcht.“
(Paul Goodman, „Declaring Peace Against the Governments“, 1962.)

„Wirklich betroffen sind wir von der Mitweltzerstörung nur dort, wo sie schneller voranschreitet als die gleichzeitige Verkümmerung unserer Sinne.“
( Klaus Michael Meyer-Abich, „Aufstand für die Natur“, 1990)

__________________________________________________________________________________________________

                                                         SEMINAR1

Die globale Natur- und Zivilisationkrise, in der wir leben, und der anstehende Wandel von der industriellen Wachstumsgesellschaft zu einer lebenserhaltenden, zukunftsfähigen Kultur, verlangen von uns nicht nur eine neue Art zu denken, sondern eine neue Art, in der Welt zu sein.  Wir brauchen dazu eine erweitere Identität, in der wir (an)erkennen und erleben, daß wir integraler Teil eines umfassenden lebenden Systems sind, dass die Welt, die Erde eine Ausdehung unseres eigenen Organismus ist. Die Gestalttherapie ist die bisher einzige Form der Psychotherapie, die sich von Anfang an eine ausgesprochen ökologische Orientierung  gegeben hat. Und es ist an der Zeit, daß sie mit dieser Orientierung weiter geht, als sie es bisher gewagt hat. Sie hat ihre Arbeit definiert als die Arbeit im Kontext des Organismus-Umwelt-Feldes. Es ist ein grundlegender Gedanke der Gestalttherapie, daß wir Teil eines größeren Ganzen sind, daß das Ganze etwas anderes ist als die Summe seiner Teile. Die Frage ist, ob ich  mir kleinere Gestalten ansehe, wo ich das Ganze bin, oder auch größere, in denen ich (nur) ein Teil bin. Es ist dem Gestaltkonzept immanent, daß jedes Individuum gleichzeitig sowohl Totalität kleinerer Einheiten als auch Teil größerer Ganzheiten ist. Das ergibt sich aus den sich selbst organisierenden Prozessen des Lebens. So sind wir als Individuen unausweichlich eingebunden in den Kontext größerer sozialer Systeme; und natürlich nicht nur größerer sozialer Systeme, sondern gerade auch physikalischer, bio-chemischer, biologischer und eben ökologischer Systeme. Wir existieren als Individuen innerhalb eines vielschichtigen Netzwerkes wechselseitiger Abhängigkeiten, wechselseitigen Aufeinander-Ange-wiesen-Seins, - als Mitwesen in einer – nicht nur menschlichen, sondern mehr als menschlichen - Mitwelt. Jeder bewußte Atemzug kann uns darüber belehren. Wir stehen wieder einmal vor Fragen, die unsere Identität betreffen. Vor den Fragen, wer wir – im Lebenszusammenhang der Erde - sind und wer  wir sein und wie wir leben wollen. Psychologische Theorie und Praxis verlangen nach einer neuen Ausrichtung, wenn sie die Einsichten  der  Ökologie,der Lehre offener, lebender, sich entwickelnder Systeme und der Gesamtheit ihrer Beziehungen zu ihrer Umwelt, in angemessener Weise in Betracht ziehen. Die Psychotherapie muß dazu kommen, dass sie das Wohlergehen und Wohlbefinden der Psyche bzw. des pscho-physi-schen Organismus im Kontext des planetarischen Ökosystems, der Biosphäre, versteht. Auf diese Weise können wir einen Maßstab für geistige Gesundheit finden, der den dringendsten Heraus-forderungen unserer Zeit entspricht. Eine wachsende Anzahl von Psycho-therapeut-/innen erkennt, dass es längst fällig ist, diese Aufgabe anzugehen.  Auf ähnliche Weise braucht die Bewegung, die sich für den ökologischen Wandel, für eine nachhaltige Entwicklung, für die „Umkehr zum Leben“  einsetzt, eine auf breiterer Basis stehende Psychologie, wenn sie die allgemeine Öffentlichkeit wirklich er-reichen will. Wenn unsere Spezies tatsächlich aufs Innigste mit der Erde verbunden ist, dann sollte es Wege geben, auf diese Verbundenheit zu vertrauen, um zukunftsfähige Verhaltensweisen zu ermutigen. Umweltengagierte haben häufig Angst- und Schuld-gefühle angesprochen in der Absicht, die Wertvor-stellungen und Verhaltensweisen der Menschen zu verändern. Sie hatten gute Gründe, dies zu tun. Es gibt tatsächlich Vieles, was zu befürchten steht, und Vieles, wofür wir uns schämen können. Aber es gibt auch gute Gründe zu glauben, dass dieser vorwiegend negative Zugang seine Wirksamkeit verloren hat. Psychologie und Psychotherapie und die Bewegung für eine nachhaltige Entwicklung  brauchen beide ein erweitertes Bild der menschlichen Natur, das unsere anthropozentrischen Wahrnehmungsgewohnheiten abschwächt und das Gewahrsein für die existenzielle Kontinuität zwischen unserer Spezies und unserem Planeten erweitert.  

 

                                                                                  SEMINAR II

                                                  

 

                                              ÖKOLOGISCHE IDENTITÄT / MITSEIN IN DER MITWELT  

Hier liegt die besondere Bedeutung der „tiefen Ökologie“. Die „tiefe Ökologie“ arbeitet daran, gemeinschaftliche Therapien zu entwickeln, die unsere Beziehung zu der größten Gemeinschaft heilen, der aller lebenden Wesen. Die „tiefe Ökologie“ hat das Konzept des ökologischen Selbst hervorgebracht und den Prozeß der bewußten Identifikation in den Vordergrund gestellt. Beide dienen dazu, uns verständlich und erlebbar zu machen, dass wir Menschen uns ausserordentlich unterschätzen, wenn wir unsere Selbst-Verwirklichung mit der Befriedigung unserer individuell/ persönlichen beziehungsweise unserer kollektiv/ menschlichen Interessen gleichsetzen. 

Die „tiefe Ökologie“ hat Zugangsweisen und Verfahren entwickelt, die das Ausweiten und Tieferwerden des Selbst ermöglichen, die verstehbar und erfahrbar werden lassen, dass und wie das Individuum in und durch seine viel dimensionalen Wechselbeziehungen mit anderen Menschen, anderen Lebewesen und mit der Erde als lebendem System existiert. Wir binden uns durch sie ein in unsere Naturgeschichte, in unser menschliches Mitsein mit der natürlichen Mitwelt.

Das schließt ein, dass wir es wagen, uns auch dem Schmerz, der Angst, dem Zorn, dem Gefühl der Machtlosigkeit und der Verzweiflung, der Sorge und der Anteilnahme zu öffnen, die wir angesichts des Ausmaßes menschlichen Leides in der Welt und der Zerstörung von Ökosystemen und der Lebensgrundlagen unvermeidlich empfinden. In dem wir solche Gefühle nicht mehr verdrängen und sie vor uns selbst und voreinander nicht mehr verleugnen und verschweigen, stellen wir wesentliche Rückkoppelungschleifen in uns selbst und zwischen uns und unserer Welt wieder her. Wir lösen den Zustand „psychischer Betäubung“ (psychic numbing) – dem nach Robert Jay Lifton („Der Verlust des Todes“) auffälligsten und gefährlichsten psychologischen Faktum unserer Epoche – wieder auf. Wir erfahren uns als miteinander verbunden und als zugehörig zum Leben auf diesem Planeten, erkennen unseren Platz. Wir kommen dadurch wieder in Kontakt mit unserer tiefen Liebe zum Leben und mit unserer Fähigkeit, angemessen und entschieden zu handeln – und dies auch im politischen Leben. Denn unser Handeln ist ein Ausdruck unseres Selbstverständnisses.

 

                                                                                   Seminar III

                          SCHÖPFERISCHE ANPASSUNG      /       ORGANISMUS UND UMWELT IM EINKLANG ?


Wenn wir unserer ökologischen Identität inne werden und das ökologische Selbst die Wirklichkeit erfährt, folgt unser Verhalten viel natürlicher den Normen der so genannten Umweltethik. Wir verändern uns leichter durch eine tiefere Wahrnehmung der Wirklichkeit und unseres eigenen Selbst als durch moralischen Druck. Und die notwendige Liebe und Fürsorge für unsere menschliche und nicht-menschliche Mitwelt wird sich in unserem Handeln um so leichter ausdrücken, je tiefer und weiter das Selbst wird. Der Schutz der natürlichen Mitwelt und der Lebensgrundlagen wird dann empfunden und wahrgenommen als der Schutz unseres eigenen Selbst. Die Erweiterung unseres „individuellen“  Selbst zum ökologischen Selbst ist die psychologische und spirituelle Grundlage für das, was wir heute unter Zukunftsfähigkeit zu verstehen beginnen.

Der Selbstbegriff der Gestalttherapie deutet auf eine Dynamik hin, die sich – so können wir heute sagen - in ökologischer Identität vollendet: „Das Selbst als System der Kontakte integriert immer die perzeptiv-propriozeptiven Funktionen, die motorisch-muskulären Funktionen und die organischen Bedürfnisse. Es gewahrt und orientiert, greift aus und wirkt ein und erfaßt gefühlsmäßig, ob Organismus und Umwelt miteinander im Einklang sind... Diese Integration ist ... die schöpferische Anpassung.“ (Perls/Hefferline/Goodman, Gestalttherapie, Bd. 2, S. 162) Wir sind als Lebewesen eingebettet in das Gefüge naturgegebener wechselseitiger Beziehungen und absoluter Abhängigkeiten/Notwendigkeiten,
bilden mit unserer Umgebung eine unauflösliche Einheit. Wir sind unsere Um- , unsere Mitwelt. Wir sind die Erde. Was wir ihr antun, tun wir uns selber an. Sind wir in unserer gegenwärtigen kulturellen / gesellschaftlichen Situation auf dem Wege zu adäquater schöpferische Anpassung?

___________________________________________________________________

                  Gemeinsamer Lern- und Erfahrungsprozess

Die Seminare bauen aufeinander auf und sind - einzeln und insgesamt - angelegt als ein gemeinsamer Lern- und Erfahrungsprozeß, in dem die ökopsychologische Perspektive sich entfaltet in einem lebendigen Wechsel von experimentellen Situationen:

 - Prozessen gemeinschaftlicher Selbsterforschung, in denen individuelle und und persönliche Erfahrungen als Teil eines gesamtgesellschaftlichen Geschehens erlebt werden;
 - Erfahrungsprozessen, in denen erlebbar und nachvollziehbar wird, was es bedeutet, ein offenes, lebendes, sich entwickelndes System im Kontext der Biosphäre zu sein;
 - Gesprächs- und Arbeitsrunden, in denen theoretische / konzeptionelle Integration und professioneller Austausch über den therapeutischen Prozeß miteinander verbunden werden;
 - und Situationen und Prozessen, die sich durch die Selbstregulierung der Teilnehmergruppe als offenes System von selbst ergeben werden.

Aus dem gemeinsamen Fragen und Forschen werden die Teilnehmenden neue Ideen mitnehmen, neue Ansätze und Methoden für die eigene therapeutische Arbeit und eine tiefere  Einsicht in die Dynamik des Wandels von der Industriellen Wachtumsgesellschaft zu einer lebenserhaltenden Kultur, innerhalb dessen die psychothera-peutische Arbeit heutzutage angesiedelt ist.

„Wirklich betroffen sind wir von der Mitweltzerstörung nur dort, wo sie schneller voranschreitet als die gleichzeitige Verkümmerung unserer Sinne.“ (Klaus Michael Meyer-Abich, „Aufstand für die Natur“, 1990)

Λ
V